Törns

Sommertörn ’25 – IV

Tag 23 – Dunkle Wolken ziehen auf (14/IX)

Am Morgen ist es noch ruhig. Nach den erstaunten, aber sehr zufriedenen Blicken der Marine, bei der Flaggenparade gestern Abend, steht Robbi heute extra früh auf – gemeinsam mit der Flaggenparade auf den beiden Segelschulbooten gehen auch unsere Flaggen hoch.

Das Wetterfenster zum Segeln ist leider wieder recht kurz, ab morgen soll es Sturm geben. So stehen wir mal wieder vor der Frage nach einem sicheren Hafen; Robbi will gerne nach Assens.

Der Weg den Lillebælt hinunter bringt uns alle Arten von Wetter: Sonnenschein, Flaute, Starkregen und perfekten Segelwind.

Wir erreichen den Hafen von Assens am späten Nachmittag und machen an der Holzbootkaje der Midtermolen fest – für alle Winde mit Südanteil sollten wir hier guten Schutz finden.

Gesamtstrecke: 22.7 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.65 knots
Gesamtzeit: 05:26:46

Da der Sturm aber auf Nordwest drehen soll, würde ich gerne in den gegenüberliegenden Yachhafen verholen, das will Robbi aber auf keinen Fall – so bleiben wir an unserem Platz und gönnen uns ein kühles Bier mit Aussicht auf die sich türmenden Wolken.

Tag 24 – Noch geschützt (15/IX)

In der Nacht hat der Wind schon ordentlich aufgedreht und jetzt merken wir den ersten Nachteil unseres Liegeplatzes: Wir sind durch die Pier vor dem starken Süd zwar gut geschützt, allerdings weht uns der gesamte Dreck an Bord. Am Morgen bekommen wir kaum das Schiebeluk auf, soviel Sand hat sich dort verfangen.

Den Tag über nimmt der Wind weiter zu, abends stehen 8-9Bft. auf den Hafen und haben ordentlich Regen im Gepäck.

Über Mittag, in den kurzen Regenpausen, machen wir einen Gang durch die Stadt, Assens ist wirklich sehenswert. Der Ort wurde 1231 erstmals urkundlich erwähnt, wann er das Stadtrecht verliehen bekam ist aber unbekannt. Der gut erhaltene Altstadtkern weist Häuser aus dem 13. Jahrhundert entlang der heutigen Einkaufstraße auf.

Tag 25 – Ein wilder Ritt (16/IX)

Während die Nacht noch relativ ruhig war, tritt im Laufe des Mittags das ein, was ich schon befürchtet hatte: Mit dem Nord drehenden Wind koppelt die Welle um die Molenköpfe in das Hafenbecken ein, und wir werden gut durchgeschüttelt.

Durch den Wind ist auch das Wasser stark gefallen und so drücken uns jetzt Wind und Wellen auf die Seepocken der Pier – unsere Fender halten zwar den Schaden vom Rumpf ab, sind aber schon nach wenigen Stunden ziemlich mitgenommen.

Jetzt sieht auch Robbi ein, dass dieser Platz alles andere als optimal für uns ist, aber da wir nun mal hier liegen heißt es: Augen zu und durch.

Wir versuchen unsere Leinen und Fender etwas zu schützen, ansonsten hoffen wir auf weniger Wind und machen uns abends an den ersten Braten an Bord – wenigstens ein Erfolg an diesem Tag.

Tag 26 – Flucht auf See (17/IX)

Heute soll der Wind abnehmen, leider aber erst zum Nachmittag. Ich würde gerne noch etwas warten vielleicht bis zum Abend, aber Robbi will unbedingt los. Gegen 15Uhr verlassen wir bei 5-6Bft. aus Nordwest den Hafen und laufen Kurs Südwest – unser Ziel ist der Alsfjord.

Vor dem Hafen ist es noch ganz ok, nach der Wende merken wir aber die See – Meile für Meile kämpfen wir uns unserem Ziel entgegen. Jede Welle stoppt unsere gerade gewonnene Fahrt, und erst als wir den Eingang zum Alsfjord erreicht haben läuft es richtig gut.

Kurz bevor wir die Fähre bei Hardeshøj passieren, geht die Sonne unter; durch die vielen Wolken wird es dann auch recht schnell dunkel. Auf dem letzen Stück vor der Einfahrt in den Alssund bergen wir die Segel, dann geht es in der Dunkelheit nach Süden.

Der Wind hat mittlerweile stark nachgelassen und als wir den Hafen von Sønderborg erreichen, herrscht fast Flaute.

Gesamtstrecke: 29.21 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.88 knots
Gesamtzeit: 06:48:00

Wir finden einen schönen Platz an der neu gestalteten Pier unterhalb des Hotels Alsik und fallen ziemlich müde in die Koje – morgen machen wir einen Hafentag in Sønderborg zum Abschluss unseres Urlaubs.

Tag 27– Wie gut kennen wir eigentlich Sønderborg? (18/IX)

Nach Wackerballig zurück wollen wir noch nicht, also gibt es einen Hafentag in Sønderborg. Wenn das Wetter gut ist, man nicht von Schauer zu Schauer denken muss, dann kann man so einen Tag auch richtig genießen.

Wir kennen die Stadt ja recht gut, auch durch unsere häufigen Besuche im Winter, aber fast immer ist es Wochenende und damit sind viele der Geschäfte dann leider geschlossen. Heute geht es durch all die kleinen Gassen und in viele, auch neue, Läden – Sønderborg hat wirklich schöne Ecken!

Die Anfänge der Siedlung lassen sich nicht rekonstruieren, es sind keine Urkunden aus dieser Zeit erhalten geblieben. Das namensgebende Schloss Sønderborg wurde wohl im 12. Jahrhundert, als Gegenstück zu Nordborg im Norden der Insel Als, zum Schutz vor wendischen Seeräubern errichtet – erste Erwähnungen der Burg stammen aus dem Jahr 1253. Im Schutz der Burg wuchs der Ort Sønderborg heran, im 15. Jahrhundert war es eine vollwertige Stadt. (Ab 1531 wurde der abgesetzte König Christian II. für längere Zeit im Schloss gefangen gehalten, hierfür ist das Schloss auch heute noch bekannt.)

Da es in unmittelbarer Nähe zahlreiche adelige und kirchliche Besitzungen gab, erreichten Stadt und Amt aber nur bescheidene Ausmaße. 1564 wurden Stadt und Amt Sønderborg, gemeinsam mit dem Amt Nordborg, zu dem auch die Insel Ærø gehörte, bei der Landesteilung zwischen dem König und seinem Bruder dem Herzog Hans den Yngre (deutsch: Johann dem Jüngeren) überlassen. Er wurde damit Stammvater der Linie Schleswig-Holstein-Sonderburg. Es gelang dem Herzog fast alle adeligen Besitzungen in seinen Besitz zu bringen und nachdem er 1581 auch das Gebiet um das Zisterzienserkloster Rüde erhalten hatte, baute er sich dort die neue Residenz Glücksburg. 1622, nach dem Tod des Herzogs, wurde Sønderborg wieder Residenz eines Herzogtums, dieses ging aber wenige Jahre später Konkurs, und so wurde Sønderborg wieder königlich; die Stadt blieb eine bescheidene Handelsstadt.

Auch kleine Gebietsveränderungen in den kommenden Jahrzehnten ließen die Stadt kaum wachsen, da die Herzöge von Augustenborg große Güter auf Als erworben hatten, blieb das Amt weiterhin sehr klein. Auch als Handelsort war Sønderborg eher von lokaler Bedeutung, das benachbarte Aabenraa gewann zunehmend an Bedeutung und der Fernhandel wurde von Flensburg beherrscht.

Aufschwung brachte die Ansiedlung einiger Industriebetriebe in der Mitte des 19. Jahrhunderts, aber der in dieser Zeit aufkommende Nationalismus trennte Dänen und Deutsche in der Region zusehends. Die Insel Als, und damit auch Sønderborg, wurden während der Schleswig-Holsteinischen Erhebung (1848–1851) von dänischen Truppen gehalten und kamen daher glimpflicher durch diese Jahre, als der Rest des Herzogtums. Im Deutsch-Dänischen Krieg (1864) führte jedoch ein preußisches Dauerbombardement zu erheblichen Zerstörungen der Stadt.

Nachdem die Stadt am 29. Juni 1864 erobert worden war, kam Sønderborg erst zu Preußen und ab 1871 zum Deutschen Reich. Zu dieser Zeit gehörte sie zur Provinz Schleswig-Holstein und war Kreisstadt des Kreises Sønderborg, dem das alte Amt einschließlich aller Güter und die Insel Als angehörte. Mit der Errichtung einer kaiserlichen Marinestation wuchs die wirtschaftliche Bedeutung der Stadt erheblich. Zahlreiche Repräsentativbauten aus dieser Zeit prägen bis heute das Stadtbild. Sønderborg gilt heute als eine der bedeutendsten Jugendstil-Städte in Dänemark.

Obwohl bei der Volksabstimmung 1920 56% der Stimmberechtigten für den Verbleib im Deutschen Reich stimmten, gehört Sønderborg seit 1920 zu Dänemark – die Abstimmungsgebiete wurden geschlossen behandelt und die Städte mit deutscher Mehrheit wurden von den ländlichen Bereichen überstimmt.

Auch heute gibt es in der Stadt einen beträchtlichen Anteil deutschsprachiger Bewohner, sie sind als offiziell Anerkannte Minderheit in der Region, vor allem kulturell, sehr aktiv. Für sie gilt die Bezeichnung det tyske mindretal (i Sønderjylland) (deutsch: „die deutsche Minderheit (in Süderjütland)“) ähnlich wie det danske mindretal (i Sydslesvig) für die dänische Minderheit südlich der Grenze. Die Anerkennung dieser Minderheiten wurde 1955 in den Bonn-Kopenhagener Erklärungen geregelt.

Nach dem Wechsel zu Dänemark blieb Sønderborg weiterhin Sitz einer regionalen Amtsverwaltung. Gefördert wurde die Stadt durch die Ansiedlung staatlicher Institutionen. Wichtigster Wirtschaftsfaktor auf Als wurde jedoch die Fabrik Danfoss.

Bei Kriegsende 1945 war Sønderborg Schauplatz einer Meuterei unter deutschen Marinesoldaten, die das Minensuchboot M 612 in ihre Gewalt brachten. Elf Besatzungsmitglieder wurden daraufhin am 5. Mai 1945 wegen Fahnenflucht und Meuterei auf See zum Tode verurteilt und auf Reede vor Sønderborg erschossen; die Leichen der Soldaten wurde vor Ort versenkt – sieben von ihnen wurden später angespült und beigesetzt.

1998 wurde aus der in Sønderborg beheimateten Handelshøjskole Syd eine Abteilung der Syddansk Universitet. Die Universität wurde seitdem durch verschiedene neue Institute sowie grenzüberschreitende Studiengänge mit der Europa-Universität Flensburg aufgewertet. 2007 zogen sie in das Alsion, einen direkt am Als Sund liegenden Neubaukomplex.

Tag 28 – Ein Sprung über die Bucht (19/IX)

Bei wenig Wind geht es heute die paar Meilen bis Wackerballig unter Motor. Auf der Bucht setzen wir zwar die Segel noch für eine Stunde, dies dient aber einzig dem Trocknen.

Beim Einlaufen werden wir schon begrüßt und unsere Leinen in Empfang genommen, dann ist Ingeborg zum letzen Mal auf diesem Törn fest.

Gesamtstrecke: 10.3 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.39 knots
Gesamtzeit: 02:37:00

Morgen wollen wir zum Auf- und Ausräumen nutzen, Sonntag geht es dann über Heikendorf nach Hause.

Hinter uns liegen sehr schöne, zum Teil aber auch anstrengende Wochen. Die Entscheidung unseren Urlaub erst nach der Hauptsaison zu beginnen war wieder goldrichtig, es ist einfach weniger voll und vor allem die Hafenmanöver sind so um einiges entspannter. 2026 werden wir aber versuchen wieder eine Woche eher zu starten, dieses Jahr waren wir aufgrund der Hamburger Sommerferien und Robbis damit verbundenen Absprachen mit seinen Kollegen doch sehr spät.

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