Sommertörn ’25 – III
Tag 16 – Noch eine Insel (7/IX)
Trotz der ausgelassen feiernden Schweden war die Nacht auf Källo Knippla ruhig und erholsam. Heute morgen strahlt die Sonne vom fast wolkenlosen Himmel ,und es weht fast kein Wind. Unter Motor geht es nach Süden, vorbei an Björkö, Öckerö und Hönö.
Während Robbi die dreckigen Fender – auf Källo Knippla lagen wir an einer Pier mit großen Autoreifen – reinigt, queren wir das Fahrwasser westlich von Göteborg und laufen durch das Naturreservat bei Galterö.
Südlich von Styrsö laufen wir dann wieder Richtung Osten: Unser heutiges Ziel ist der Hafen von Donsö. Bevor wir morgen versuchen über das Kattegat nach Dänemark zu kommen, wollen wir noch eine letzte schwedische Insel besuchen.
Die Anfahrt zum Hafen ist leider nur von Süden möglich, denn zwischen Donsö und der Nachbarinsel Styrsö wurde in den 70ern des letzten Jahrhunderts eine Brücke gebaut – unter der passt Ingeborg nicht durch. Entgegen der bisherigen Erfahrung in diesem Urlaub ist der beliebte Hafen aber komplett voll, und der rege Verkehr mit kleinen und größeren Motorbooten nimmt nicht ab.
Wir müssen eine Weile suchen, finden dann aber einen Liegeplatz an der Viking, einem wunderschön restaurierten Tradi.
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.73 knots
Gesamtzeit: 02:54:00
Neben den vielen Sportbooten liegen im Hafen aber auch einige große Fischerboote und andere Schiffe – Donsö ist bis heute ein wichtiger Ort für Berufsfischer und Reedereien. Der Gründer von Stena Line, Sten A. Olsson, wurde auf der Insel Donsö geboren; aus diesem Grund kann man im Hafen stets die Stena-Flagge sehen.
Wir nutzen das gute Wetter für einen Ausflug über die Insel, ein paar letzte Einkäufe in Schweden und zum Waschen. Später gibt es dann mit der Crew der Viking gegenseitige Bootsführungen – die beiden leben das ganze Jahr über auf ihrem Boot hier im Hafen.
Tag 17 – Kurs Anholt (8/IX)
Lange vor Sonnenaufgang, der Vollmond steht noch hoch am Himmel, machen wir die Leinen los und setzen Kurs Dänemark. Unter Motor geht es aus dem Hafen, und dann zum letzten Mal in diesem Jahr durch die Schären.
Südöstlich von Vrångö kommt mit der aufgehenden Sonne auch etwas Wind – wir setzen Segel und genießen schon bald bei einem leichten Südost die Fahrt aufs offene Kattegat. Im Laufe des Vormittags nimmt der Wind dann immer weiter zu und dreht leider zeitweise auch weiter südlich – so hart am Wind können wir unser Ziel Anholt kaum noch halten.
Da wir den Hafen nicht mehr direkt ansteuern können, setzen wir unseren neuen Kurs auf die Untiefentonne am Ende des Nordvestrev – diese können wir gut anhalten, und so geht die Rauschefahrt bis kurz vor unserem Wegpunkt der Wind einschläft.
Die letzten Meilen bis zum Hafen laufen wir unter Maschine und klaren in der Zeit nicht nur die Segel auf, sondern ziehen auch den Klüverbaum ein – das spart beim Hafengeld und schont auch die Nerven beim Anlegemanöver.
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.98 knots
Gesamtzeit: 12:07:32
Nach gut 12 Stunden auf See liegen wir gut und sicher im Hafen von Anholt. Da zu dieser Jahreszeit der, im Sommer meist komplett überfüllte, Hafen viel Platz bietet, können wir in Ruhe längsseits gehen und müssen nicht versuchen eine der Heckbojen zu fangen.
Noch vor dem Anlege-Portwein wechsel ich die Gastlandflagge – nach einer phantastischen Zeit in Schweden sind wir jetzt wieder in Dänemark.
Tag 18 – Ein sicherer Hafen (9/IX)
Ab Übermorgen soll es Starkwind, Regen und Gewitter aus westlichen Richtungen geben – das wollen wir dann an einem geschützten Ort mit wenigstens ein paar Versorgungsmöglichkeiten abwettern. Da die Großwetterlage weitere Schlechtwetterphasen für die kommende Woche ankündigt, ist unser Ziel schon mal gut umrissen: möglichst weit im Süden, eher Richtung Jylland, gern ein Städtchen.
Nach Robbis Einkaufstour beim Fischer, verlässt Ingeborg mit zusätzlichen 4kg Jomfruhummer und einigen Taschenkrebsscheren im Morgengrauen den Hafen von Anholt. Bei nahezu Flaute und relativ schlechter Sicht (so knapp 1nm), setzen wir unseren Kurs Richtung Hjelm.
Während Robbi uns über das trübe Kattegat steuert, koche ich seine Beute des heutigen Morgens – in vielen kleinen Portionen wandern die Jomfruhummer in kochendes Meerwasser und werden dann hinterher kalt abgeschreckt. (Zwischendrin gibt es natürlich auch schon mal ein paar Probierstücke für den Steuermann.)
Auf der Höhe von Grenå wird die Sicht dann langsam besser und es kommt auch leichter Wind auf – für uns aber zu wenig und aus der falschen Richtung.
Südlich von Hjelm dreht der Wind dann auf Ost und wir setzen Segel, jetzt kommt Ingeborg in Fahrt. Schon bald haben wir die Nordspitze von Samsø im Licht der Abendsonne querab.











Westlich von Samsø ist kaum Welle, und so gleiten wir ruhig in den Abend. Später soll der Wind aber zunehmen, dann dürfte es südlich der Insel etwas ruppiger werden. Um mit den Segeln nicht zuviel Arbeit bei Dunkelheit und Welle zu haben, bergen wir Groß und Klüver bei Sonnenuntergang auf der Höhe von Kolby Kås.
Schon kurze Zeit später zeigt sich, dass unsere Entscheidung sehr gut war: Der Wind dreht auf Südost und nimmt deutlich zu. Da wir zu diesem Zeitpunkt Endelave aber schon fast passiert haben, können wir etwas abfallen und unseren Kurs sehr gut halten.
Mit halbem Wind passieren wir Æbelø und bergen dann im Schutz der Küste die restlichen Segel, kurz vor der Ansteuerung von Bogense. Glücklicherweise ist die Welle hier etwas geringer, denn vor der Hafeneinfahrt liegen einige Sandbänke. Wie immer bei besonders engen Passagen lassen wir mehrere, vor allem unterschiedliche Karten auf mehreren Geräten laufen – so findet Robbi die Fahrwassertonnen immer recht schnell mit dem Strahler.
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.16 knots
Gesamtzeit: 17:52:44
Um 01:56Uhr sind wir dann fest auf der Ostseite des alten Hafens – wir naschen noch ein paar Jomfruhummer und fallen in die Koje.
Tag 19 – Erst Regen, dann Starkwind (10/IX)
Am Morgen weckt uns der Regen, schwere Tropfen fallen auf das Deck und wir sind froh in der warmen und trockenen Koje zu liegen. Dort genießen wir unseren ersten Kaffee, dann gibt es Brunch: Jomfruhummer und frische (aufgebackene) Brötchen.
Als der Regen gegen Mittag endlich nachlässt, nutzen wir die Gelegenheit und verholen, bei absoluter Flaute, von der Ostseite des Hafenbeckens auf die Westseite – hier liegen wir nicht nur mit dem Bug zur Hafenausfahrt, der Wind wird uns auch immer von der Pier weg drücken.
Kaum haben wir an unserem neuen Liegeplatz festgemacht, dreht der Wind auf West und nimmt merklich zu. Wir proviantieren uns im angrenzenden Fischladen, dann geht Robbi tauchen: Er will was an der Schraube kontrollieren und vielleicht einstellen.
Nach seinem (leider wenig erfolgreichen) Tauchgang geht es in die schöne kleine Stadt – einfach das trockene Wetter ausnutzen.
Im Hafen merkt man jetzt die kräftigen Böen aus West – Ingeborg liegt gut von der Pier entfernt und legt sich immer wieder sanft auf die Steuerbordseite.
Wir schnacken mit unserem Nachbarn, einem netten Einhandsegler und beschließen, bei einem Bier auf seinem Boot, dass wir unsere Einkäufe vom Fischladen kombinieren und gemeinsam auf Ingeborg zu Abend essen – später gibt es immer wieder schwere Schauerböen.
Tag 20 – Gewitter in Bogense (11/IX)
In der Nacht gab es einige Regenschauer, der Vormittag bleibt aber trocken und es dringt auch immer mal wieder etwas Sonne durch die tief hängenden Wolken.
Wir kümmern uns um einige kleinere Arbeiten am Boot, machen noch einen gemeinsamen Spaziergang durch das gemütliche kleine Städtchen und verbringen den Nachmittag unter Deck: der kräftige Wind treibt ein Regengebiet nach dem anderen über uns hinweg.
Abends gibt es dann die Krebsscheren (dänisch: Krabbeklør) von Anholt, so genießen wir trotz des garstigen Wetters unseren Urlaub.
Tag 21 – Sightseeing und Starkwind (12/IX)
Über Nacht hat der Wind noch zugenommen und die Böen erreichen jetzt Sturmstärke. Da sich den ganzen Tag Regen und Sonnenschein abwechseln, bleiben wir auf unseren Landausflügen in Hafennähe.
Am Nachmittag nimmt der Wind etwas ab, dafür sind die Regengebiete in Gewitter übergegangen – wann immer es geht, gucken wir über den Bug Richtung Hafeneinfahrt und verfolgen fasziniert die dunklen Fronten mit den hellen Blitzen.
Tag 22 – Robbi will weiter (13/IX)
Einen wilden Tiger zu bändigen ist sicherlich einfacher, als Robbi auf einem Sommertörn von einem Hafentag zu überzeugen. Den ganzen Morgen checkt er verschiedene Wettermodelle, aber den Vormittag und Mittag müssen wir noch abwarten.
Als wir bei einem Spaziergang auf die Mole feststellen, dass die weißen Schaumkronen endlich verschwunden sind, gibt es für ihn kein Halten mehr: Ab aufs Boot und los!
Heute soll es nur bis in den alten Hafen von Fredericia gehen, von hier sollten wir morgen einen guten Ausgangspunkt für unseren Weg nach Süden haben.
Da der Wind etwas südlicher gedreht hat, setzen wir die Fock noch im Hafen und lassen uns vom Wind auf die See schieben.
Auch wenn unser Freund Steff leider keine Zeit hat, Fredericia liegt genau auf unserer Route und der Hafen ist weder so eine große Marina wie Middelfart, noch so eng wie Kongebro.
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.26 knots
Gesamtzeit: 02:38:55
Beim Anlegen bekommen wir Hilfe von der dänischen Marine, die liegt mit zwei tollen Segelbooten auf Ausbildungstörn genau vor uns.
Nachdem wir, unter zustimmenden Blicken der Marine, alle Flaggen in korrekter Reihenfolge eingeholt haben, geht es in die Stadt und zu unserem Stamm-Sushi-Laden – heute gibts den Fisch also mal roh.














































